Neue Kampagnen zur Prävention von Selbstmord bei Jugendlichen

Im November wurden zwei neue Kampagnen zur Prävention von Selbstmord, der häufigsten Todesursache bei Jugendlichen, veröffentlicht. Die erste kommt von Pro Juventute und bietet echte Erfahrungsberichte von jungen Menschen auf Deutsch und Französisch. Die zweite kommt von einer in Genf ansässigen künstlerischen Vereinigung namens Atalahalta, die von einer belgischen Produktionsfirma beauftragt wurde. Diese fiktive Geschichte zeigt die Aussagen und Gedanken einer jungen Frau, die das Unwiederbringliche begangen hat. Sie versucht eine Botschaft zu vermitteln, bevor es für diejenigen, die an Selbstmord denken, zu spät ist. Zwei Ansätze, zwei Arten von Dialog. Diese Videoclips sind für Schüler ab 15 Jahren gedacht und sind ergreifend und direkt.

 

Führende Todesursache bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren

Selbstmord ist die häufigste Todesursache bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren, vor Verkehrsunfällen. Das sind 2 bis 3 Todesfälle pro Woche in der Schweiz! Und diese Zahl steigt erstmals seit 2011 wieder an. Es ist unmöglich, die Anzahl der Selbstmordversuche zu berechnen. Prävention ist daher wichtiger denn je. Diese Filme sind sicherlich wichtige Einstiegsmöglichkeiten für Schulen.

Die Kampagne Pro Juventute gibt realen jungen Menschen eine Stimme, die mit eigenen Worten über das Phänomen sprechen. Im Genfer Video spricht eine Schauspielerin direkt zur Öffentlichkeit. Seit der Veröffentlichung am 1. November wurde es bereits über 100'000 mal angeschaut, mit fast 600 Beiträgen und Kommentaren.

 

Cybermobbing und Selbstmord

Selbstmord ist oft eine Folge von Belästigung und/oder Cybermobbing. Der Umgang mit Mobbing innerhalb einer Schule ist komplex. Oft dauert es Wochen oder Monate, bis Erwachsene merken, dass etwas nicht stimmt. Zumeist hat das Opfer auch daheim keine Ruhe: Die Belästigung wird in sozialen Netzwerken weitergeführt.

Die Scham, darüber zu sprechen, zu fürchten, nicht verstanden zu werden, zu denken, dass nicht geholfen werden kann, all das trägt dazu bei, Dinge zu verbergen, die zu Selbstmord unter jungen Menschen führen kann. Die dramatischen Auswirkungen dieses Phänomens haben nachhaltige Auswirkungen auf das direkte Umfeld des Jugendlichen, aber auch auf die gesamte Schule. Prävention im Vorfeld ist wichtig, ebenso wie Maßnahmen zur Unterstützung von Schülern und Lehrern.

 

Tipps zur Vorbeugung :

Sensibilisierung:
Das Bewusstsein für Selbstmord bei jungen Menschen ist ein Thema, das in der Schule ab dem Alter von 13 Jahren behandelt werden sollte.
Achtsamkeit:
Ein stiller und isolierter Schüler, der besorgt oder gereizt erscheint, schlechtere Leistungen in der Schule, zunehmende Fehlzeiten, abnehmende soziale Beziehungen sind einige der Elemente, die darauf hindeuten, dass er oder sie sich in einer problematischen Situation befinden könnte.
Das Tabu brechen:
Genauer gesagt, im Falle einer Belästigung muss das Schweigen um jeden Preis gebrochen werden. Die Ermunterung zum Gespräch und zur freien Meinungsäusserung ist eine Möglichkeit. Diese freie Meinungsäusserung gilt sowohl für diejenigen, die Leiden erfahren, als auch für diejenigen, die daran beteiligt sind. Zeugen spielen eine Schlüsselrolle.

 

Wichtige Adressen und Nummern

Es gibt Hilfe! Beratungstelefone helfen dabei, Menschen zu unterstützen.

147:
Pro Juventute, Beratungstelefon für junge Menschen
143:
Die dargebotene Hand, das Schweizer Sorgentelefon
144:
Für alle medizinischen Notfälle
117:
Polizei-Notruf

Hilfe nach Thema und Kanton ist auf der Website von Stop Suicide verfügbar.

 Pro Juventute Kampagne Video von Altalahalta 
 

 


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